Durchblick - Future

Schülerfirmen: kreative Köpfe mit Ideen!

Die Erzgebirgssparkasse als Partner von vier Junior-Schülerfirmen aus Schwarzenberg gibt Jung-Unternehmern auf Zeit sinnvolle Anschubhilfen sowie wichtige Tipps für Marketing und Werbung.

Getreu den geflügelten Worten "Früh übt sich, wer ein Meister werden will" gründen selbst Schüler schon eigene Unternehmen. Das bundesweite Junior-Projekt macht’s möglich. Allein im Raum Schwarzenberg existieren derzeit vier Firmen, in denen sich junge Leute den Herausforderungen der  Marktwirtschaft stellen. Mit allem, was dazu gehört.

Colleen Zacharias lenkt 14 Angestellte, mit denen die Elftklässlerin des Beruflichen Schulzentrums für Wirtschaft und Sozialwesen am Hofgarten in Schwarzenberg sonst nur die Schulbank drückt. "Wir haben lange überlegt, was wir machen", so die Vorstandsvorsitzende von "Lucerna", einer Firma für Deko-Lampen mit Musterfolien. Alles muss schnell gehen: Nur ein Schuljahr bleibt Zeit, die Firma von Null aufzubauen, am Markt zu etablieren und dann Bilanz zu ziehen. Für das Startkapital sorgen maximal 90 Anteilsscheine, die jedermann für je zehn Euro kaufen kann. "Lucerna" – Lateinisch für Lampe – hat Investoren für 51 Scheine gefunden, die am Ende entweder am Gewinn beteiligt werden oder Verluste erleiden. Ganz im Stil der freien Marktwirtschaft geht es auch in den Junior-Firmen nicht ohne Risiko. Der finanzielle Grundstock von 510 Euro im Fall von "Lucerna" war der Anfang. Es folgten etliche weitere Schritte wie das Berechnen von Material-, Lohn- und Produktkosten. Bei wem und wo gibt es Rohstoffe günstig? Wie wird die Arbeit effektiv auf 14 Köpfe verteilt? "Es war heftig. Bis wir alles geregelt hatten, gab es viele Diskussionen", sagt Colleen Zacharias, die gemäß ihres Vorstandspostens auftritt: selbstbewusst, zielstrebig, freundlich.

"Lucerna" setzt auf eine Struktur mit Vorstand, Verwaltungs-, Finanz- und Produktionsleitung plus Marketingteam. Im Zentrum steht die Ware: Deko-Lampen mit Spezialfolien, die beispielsweise afrikanische Elefanten oder asiatische Buddhas zeigen. "Einzigartig und handgemacht" – so wirbt "Lucerna" für die Tischleuchten, die den Raum in warmes Licht tauchen und 17,85 Euro pro Stück kosten. Bis der Preis stand, stellten die Schüler unter anderem ein Konzept und eine Gewinnstrategie auf, legten die Löhne für die Mitarbeiter fest, eröffneten ein Konto, führten Buch, zogen Zwischenbilanz, betrieben Marktforschung und Konkurrenzschau. Sie suchten Händler, kauften Rohstoffe wie Holz, Glühlampen, Fassungen, Kabel und Folien, setzten alles zusammen und suchten nach Absatzmärkten. "Das ist eine ganz schöne Liste", sagt Colleen Zacharias.

"Ich finde es klasse, dass wir mit dem Projekt richtig praktisch erfahren, wie eine Firma aufgebaut ist und funktioniert. Wir müssen uns um alles selbst kümmern", so Annemarie Arnold aus der Produktionsabteilung. Als besonders knifflig erwiesen sich die Mitarbeitermotivation als Aufgabe des Vorstands und die Suche nach Absatzmöglichkeiten. "Auch die Anlaufphase war schwer, weil wir alles sortieren mussten. Wer ist für welche Abteilung geeignet? Wo kaufen wir Material ein? Was sind die wichtigsten Schritte?", so Colleen Zacharias. Immerhin betreten alle mit dem Projekt Neuland. "Wir sind stolz auf das bislang Erreichte", so Verwaltungsmitarbeiter Peter Herden. Und Finanzexperte Thomas Rothe sagt: "Es ist wichtig, dass sich jeder mit seinen Stärken einbringt. Nur dann hat man wie im wahren Leben auf dem Markt eine Chance."

Ein bis zwei Unterrichtsstunden und in der Freizeit einige Überstunden investiert das "Lucerna"-Team in die Firma. Mit dem Kapital von 510 Euro sind 45 Lampen herstellbar. 15 sind fertig und erste Exemplare verkauft. "Wir streben natürlich Gewinn an", sagt Colleen Zacharias. "Auf jeden Fall wollen wir beim Landeswettbewerb aller Junior-Firmen Sachsens gut abschneiden." Bis Ende März läuft die Bewerbungsfrist. Endgültiger Kassensturz für "Lucerna" und alle anderen Jung-Unternehmer auf Zeit ist am 22. Juli. Dann wissen auch die  Anteilseigner, ob sie Gewinn oder Verlust gemacht haben.

Hier findet ihr die Website von "Lucerna".

Neben den Lampenherstellern gibt es am BSZ Schwarzenberg drei weitere Junior-Firmen:

"Repuzzle" stellt Jute-Beutel mit einzigartigen Aufdrucken und Verzierungen her (Kontakt: laura_schieck@web.de).

"G & K Design" setzt auf eine simple wie kreative Idee: Gläser und Keramiksachen werden per Bemalung zu Unikaten. Zudem bietet diese Schülerfirma als weiteres Standbein Kreativkurse für jedermann an.

Das Unternehmen "Freak'n'Noises" verspricht entspanntes Musikhören in neuer Dimension: Die Schüler bringen Nackenkissen mit integrierten Kopfhörern unter das Volk.

Stichwort "Junior-Firma"
Die bundesweiten Junior-Programme wurden 1994 vom Institut der deutschen Wirtschaft ins Leben gerufen. Ziel: Schüler sollten früh lernen, was sich hinter Begriffen wie Bilanz, Gewinn und Marketing verbirgt, um einen ersten Einblick in den Wirtschaftsalltag zu bekommen. Jeweils für ein Schuljahr wird eine Firma gegründet. Diese muss aufgebaut, geführt und am Markt positioniert werden.

Autorin: Anna Neef

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bluepaed@photocase

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