Film der Woche: Toy Story 3
Die aktuelle „Toy Story“-Fortsetzung ist ein Finale zum Heulen. Fließen die Tränen, weil der Film so abgrundtief schlecht ist oder kann animiertes Spielzeug wahre Emotionen in uns wecken?
Inhalt:
Der Besitzer der sympathischen Spielfiguren „Woody“, „Buzz“, Schwein „Specki“ und Co. ist mittlerweile aus dem Spielzeugalter raus. Andy wird das elterliche Haus verlassen und aufs College gehen. Was soll er da noch mit Spielzeug? Das Schicksal unserer Spielzeughelden hängt am seidenen Faden. Auf dem Dachboden langsam verrotten, als Spende in eine Kita oder ein schnelles Ende in der Müllverbrennungsanlage – die Zukunftsaussichten sind düster. Doch die Freunde haben Glück: Für sie geht’s in die farbenfrohe Kita „Sunnyside“, in der endlich wieder mit ihnen gespielt wird. Doch als der kuschlige Teddybär „Lotso“ sein wahres Ich zeigt und sich das Spielvergnügen als Krabbelgruppen-Horror entpuppt, sehnen sich Andys Kindheitsgefährten nach einem Leben auf dem Dachboden.
Kritik:
Es ist schon wieder 15 Jahre her, dass Spielzeug-Cowboy „Woody“ und Space-Ranger „Buzz Lightyear“ mit ihrem ersten Kino-Abendteuer das Publikum verzauberten. Auch Teil zwei sorgte, obwohl er nicht ganz an den Unterhaltungswert seines Vorgängers anschließen konnte, international für Rekordzahlen. Zugegeben: Als jetzt, nach elf Jahren Pause, noch ein „Toy Story“-Film produziert wurde, klang das für uns eher nach Kassenmache mit einem bestens eingeführten Namen. Aber unsere Erwartungen wurden nicht erfüllt.
Nachdem die Animationsschmiede „Pixar“ erst im letzten Jahr mit dem schrulligen Rentner Carl Fredricksen im Film „Oben“ in die 3D-Technik eingestiegen ist, liefert sie mit der „Toy Story“-Fortsetzung ein tadelloses dreidimensionales Leinwanderlebnis ab. Aber das allein macht noch keinen Film sehenswert.
Wie schaffen es die Produzenten, mit dem Schicksal kaputter Plastikfiguren große und kleine Kinobesucher nicht nur zum Lachen zu bringen, sondern auch zu Tränen zu rühren? „Toy Story 3“ überzeugt selbst den zynischsten Zuschauer durch fesselnde Dramaturgie und ungemein vielschichtige Figuren. Für den Regisseur Lee Unkrich war es sicher eine Herausforderung trotz umfangreicher Zahl an Stoff- und Plastikwesen aus Teil eins und zwei noch neue, abwechslungsreiche Charaktere zu schaffen. Aber es ist ihm gelungen. Allein der lilafarbene Plüschbär „Lotso“ besitzt mehr Persönlichkeit, Tiefe und Seele als alle Figuren aus „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ zusammen.
“Toy Story 3″ ist ein wirklich gelungener Animationsfilm über Verlustängste und die Melancholie des Älterwerdens, abgerundet mit einer Recycling-Botschaft. Aber auch eine Prise Spielzeughorror konnten sich die Produzenten nicht verkneifen. Nachdem wir „Big Baby“ über die Leinwand schleichen sahen, das mehr an Chucky die Mörderpuppe als an ein liebebedürftiges Spielzeug erinnert, halten wir eine Altersbeschränkung des Films ab sechs Jahren für ratsam. Sonst ist ein Kindheitstrauma praktisch vorprogrammiert. Kindertherapeuten wird’s freuen, aber die Verkaufszahlen der Zapf-Kreation „Baby Born“ werden nach diesem Filmstart erst mal in den Keller sacken.
Fazit:
Wer dieses Animationsspektakel als reinen Kinderfilm abtut, verpasst vielleicht den Film des Jahres. Denn als solcher wird „Toy Story 3“ bereits im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gefeiert. Wir haben keine Zweifel daran, dass der Film auch hierzulande zum Kassenschlager avanciert, denn er überzeugt vor allem mit Herz und Humor. Nach elf Jahren „Toy Story“-Pause kommt jetzt ein zum Heulen schönes Finale in die deutschen Kinos.